Warum nicht jeder Schnaps automatisch ein Destillat ist
Im Alltag wird fast alles Hochprozentige oft einfach „Schnaps“ genannt. Doch genau genommen gibt es in der Welt der Spirituosen große Unterschiede zwischen Schnaps, Destillaten, Bränden, Geisten oder Likören. Viele dieser Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen – manchmal sogar auf Flaschen oder in Gesprächen unter Spirituosenfans.
Schnaps
Der Begriff „Schnaps“ ist im Alltag meist einfach ein Sammelbegriff für alkoholische Getränke mit höherem Alkoholgehalt. Wenn jemand sagt:
„Lass uns einen Schnaps trinken“
…kann damit vieles gemeint sein:
Je nach Region gibt es dafür auch ganz unterschiedliche umgangssprachliche Begriffe. In manchen Gegenden wird ein Schnaps beispielsweise einfach nur „Wasser“ genannt – obwohl natürlich etwas deutlich Stärkeres gemeint ist.
Technisch und traditionell wurde der Begriff allerdings oft etwas anders verwendet. Früher unterschied man häufig zwischen einem „Brand“ und einem „Schnaps“.
Destillat
Ein Destillat ist zunächst einmal der Oberbegriff für alles, was durch Destillation entstanden ist.
Bei der Destillation wird Alkohol erhitzt, verdampft und anschließend wieder verflüssigt. Dadurch lassen sich Alkohol und Aromen konzentrieren.
Viele bekannte Spirituosen sind Destillate, zum Beispiel:
Ein Destillat beschreibt also vor allem die Herstellungsart.
Brand
Ein Brand ist eine spezielle Form des Destillats.
Das bedeutet:
Jeder Brand ist zwar ein Destillat – aber nicht jedes Destillat automatisch auch ein Brand.
Der Unterschied liegt in der Herstellung:
Ein echter Brand entsteht ausschließlich aus vergorenen Früchten oder anderen vergorenen Rohstoffen, die anschließend destilliert werden.
Das bedeutet:
Wichtig dabei:
Der Alkohol stammt direkt aus der Frucht selbst. Zusätzlicher Neutralalkohol wird bei einem echten Brand nicht verwendet.
Typische Beispiele:
Brände gelten deshalb oft als besonders ursprünglich und hochwertig.
Schnaps im traditionellen Sinn
Früher meinte man mit „Schnaps“ oft eher einfachere Spirituosen, bei denen:
verwendet wurden.
Deshalb gibt es zum Beispiel einen Unterschied zwischen:
Bei einem Obstbrand stammt der Alkohol wirklich aus der vergorenen Frucht. Ein Obstschnaps kann dagegen teilweise auf Neutralalkohol basieren, der zusätzlich aromatisiert wurde.
Heute wird diese Unterscheidung im Alltag allerdings oft kaum noch gemacht. Dort ist „Schnaps“ meist einfach ein allgemeiner Begriff für Hochprozentiges.
Bei einem Geist läuft die Herstellung etwas anders. Hier werden aromatische Zutaten in neutralen Alkohol eingelegt und anschließend gemeinsam destilliert.
Das wird oft genutzt bei Früchten oder Zutaten, die:
Ein klassisches Beispiel ist Himbeergeist.
Die Himbeeren werden dabei meist nicht selbst vergoren, sondern geben ihr Aroma an bereits vorhandenen Alkohol ab.
Liköre unterscheiden sich deutlich von klassischen Destillaten oder Bränden. Sie enthalten in der Regel:
Dadurch schmecken Liköre meist süßer und milder.
Bekannte Beispiele:
Ein Likör muss nicht zwingend komplett durch Destillation entstehen.
Warum werden die Begriffe so oft verwechselt?
Viele Begriffe stammen aus traditionellem Handwerk, regionaler Sprache oder historischen Herstellungsverfahren. Im Alltag wird deshalb vieles einfach als „Schnaps“ bezeichnet, obwohl technisch große Unterschiede bestehen.
Genau diese Unterschiede machen die Welt der Spirituosen aber so spannend. Denn hinter einem einzigen Glas steckt oft deutlich mehr Technik, Geschichte und Handwerk, als man auf den ersten Blick vermuten würde.