Warum Alkohol schon bei etwa 78 °C verdampft

Viele Menschen stellen sich Destillation zunächst ganz einfach vor:

„Man erhitzt Alkohol – und fertig.“

Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein ziemlich spannender physikalischer Vorgang. Denn beim Brennen macht man sich zunutze, dass verschiedene Stoffe bei unterschiedlichen Temperaturen verdampfen.

Genau dieses Prinzip ermöglicht überhaupt erst die Destillation.

Warum funktioniert Destillation überhaupt?

In einer vergorenen Maische befinden sich viele verschiedene Bestandteile:

  • Wasser
  • Alkohol
  • Aromen
  • Öle
  • und weitere Stoffe.

Diese Stoffe besitzen unterschiedliche sogenannte Siedepunkte. Das bedeutet:
Sie verdampfen nicht alle bei derselben Temperatur.

Der wichtigste Unterschied dabei:

  • Wasser kocht bei etwa 100 °C
  • Ethanol, also Trinkalkohol, bereits bei etwa 78 °C

Dadurch beginnt der Alkohol früher zu verdampfen als das Wasser.

Was passiert in der Destille?

Die Maische wird langsam erhitzt.

Sobald die Temperatur steigt, beginnen zuerst die Stoffe mit niedrigeren Siedepunkten zu verdampfen. Dazu gehört auch der Alkohol.

Der entstehende Alkoholdampf:

  1. steigt in der Destille auf
  2. gelangt in den Kühler
  3. wird dort wieder abgekühlt
  4. und anschließend wieder flüssig.

Dieses flüssige Ergebnis nennt man:

  • Destillat.

Dadurch lässt sich der Alkohol gezielt aus der Maische herauslösen und konzentrieren.

Bedeutet das, dass bei genau 78 °C nur Alkohol verdampft?

Nein, ganz so einfach ist es nicht.

In der Maische befinden sich viele verschiedene Stoffe gleichzeitig. Deshalb verdampfen während des Brennens nicht nur Alkohol, sondern auch:

  • Aromastoffe
  • Begleitstoffe
  • Öle
  • und andere Verbindungen.

Die Temperaturen dienen dabei eher als Orientierung.

Gerade deshalb ist Destillation deutlich komplexer, als viele zunächst denken.

Warum ist Temperatur beim Brennen so wichtig?

Schon kleine Temperaturunterschiede können den späteren Geschmack beeinflussen.

Wird zu stark oder zu schnell erhitzt:

  • können unerwünschte Stoffe mitgerissen werden
  • Aromen verloren gehen
  • oder die Spirituose schärfer wirken.

Deshalb arbeiten viele Brennereien sehr kontrolliert und überwachen die Temperaturen während des gesamten Brennvorgangs genau.

Warum gibt es Vorlauf, Mittellauf und Nachlauf?

Da unterschiedliche Stoffe zu unterschiedlichen Zeitpunkten verdampfen, wird das Destillat während des Brennens getrennt.

Dabei unterscheidet man meist:

  • Vorlauf
  • Mittellauf
  • Nachlauf.

Der Mittellauf enthält den gewünschten Alkohol und viele der typischen Aromen der späteren Spirituose.

Vorlauf und Nachlauf enthalten dagegen häufig Stoffe, die:

  • unangenehm riechen
  • den Geschmack beeinflussen
  • oder unerwünscht sind.

Warum ist Kühlung dabei genauso wichtig?

Ohne Kühlung gäbe es am Ende kein flüssiges Destillat.

Der Alkoholdampf muss nach dem Verdampfen wieder abgekühlt werden, damit er kondensiert und erneut flüssig wird.

Dafür besitzt eine Destille:

  • Kühlschlangen
  • Rohre
  • oder spezielle Kühlsysteme.

Erst dadurch kann der Dampf später als Spirituose aufgefangen werden.

Warum ist Destillation so faszinierend?

Die Destillation zeigt sehr gut, wie eng:

  • Handwerk
  • Technik
  • Erfahrung
  • und Physik

in einer Brennerei zusammenarbeiten.

Denn beim Brennen geht es nicht einfach nur darum, Alkohol zu erhitzen, sondern darum, ganz bestimmte Stoffe gezielt herauszutrennen und dabei möglichst viele gewünschte Aromen zu erhalten.