Was ist eigentlich eine Lohnbrennerei?

Der Begriff „Lohnbrennerei“ sorgt oft für Verwirrung, denn viele halten ihn für eine eigene Brennereiform wie die Abfindungsbrennerei oder die Verschlussbrennerei. Tatsächlich beschreibt eine Lohnbrennerei aber keine besondere Art der Besteuerung, sondern vielmehr eine Dienstleistung.

Eine Lohnbrennerei brennt nämlich nicht nur für sich selbst, sondern übernimmt die Destillation auch für andere Personen oder Betriebe.

Wie funktioniert eine Lohnbrennerei?

Nicht jeder, der eigenes Obst besitzt, hat automatisch auch eine eigene Brennanlage. Genau hier kommt die Lohnbrennerei ins Spiel.

Beispiel:
Jemand besitzt:

  • Äpfel
  • Birnen
  • Zwetschgen
  • oder andere Früchte

…möchte daraus aber einen eigenen Brand herstellen, ohne selbst eine Brennerei zu besitzen.

In diesem Fall übernimmt eine Lohnbrennerei den Brennvorgang gegen Bezahlung. Die Früchte oder die fertige Maische stammen dabei vom Kunden selbst.

Der Betreiber der Brennerei erhält also einen „Lohn“ für das Brennen – daher der Begriff Lohnbrennerei.

Wem gehört der spätere Schnaps?

Die Rohstoffe gehören weiterhin dem Kunden. Dieser wird häufig auch als sogenannter Stoffbesitzer bezeichnet.

Die Brennerei übernimmt lediglich:

  • die Destillation
  • die technische Durchführung
  • und je nach Betrieb auch weitere Verarbeitungsschritte

Der fertige Brand gehört anschließend wieder dem Auftraggeber.

Ist eine Lohnbrennerei eine eigene Brennereiform?

Nein.

Eine Lohnbrennerei kann sowohl:

  • eine Abfindungsbrennerei
  • als auch eine Verschlussbrennerei

sein.

Der Begriff beschreibt also nicht die steuerliche Einstufung, sondern lediglich die Arbeitsweise der Brennerei.

Wo findet man Lohnbrennereien besonders häufig?

Lohnbrennereien gibt es vor allem in Regionen mit viel Obstbau oder traditioneller Brennkultur.

Dazu gehören beispielsweise:

  • ländliche Obstregionen
  • Streuobstwiesen-Gebiete
  • kleinere Familienbrennereien
  • landwirtschaftliche Betriebe

Gerade dort lassen viele Menschen ihr eigenes Obst zu Schnaps oder Obstbrand verarbeiten.

Warum sind Lohnbrennereien heute noch wichtig?

Viele Menschen besitzen zwar eigenes Obst, möchten aber keine eigene Brennanlage betreiben oder dürfen dies rechtlich gar nicht.

Lohnbrennereien ermöglichen es deshalb weiterhin, aus eigenen Früchten individuelle Brände herstellen zu lassen.

Gleichzeitig tragen sie dazu bei, regionale Obstsorten, traditionelle Brennkunst und kleinere Mengen handwerklicher Spirituosen zu erhalten.