Warum es in Deutschland eigentlich zwei Arten von Brennereien gibt

Wer sich etwas tiefer mit Spirituosen beschäftigt, stößt früher oder später auf Begriffe wie „Abfindungsbrennerei“ oder „Verschlussbrennerei“. Für viele klingt das zunächst eher nach Behörden-Deutsch als nach Genuss oder Handwerk. Tatsächlich steckt dahinter aber ein wichtiger Unterschied, wie Brennereien in Deutschland arbeiten und versteuert werden.

Denn auch wenn von außen viele Brennereien ähnlich aussehen, gibt es in Deutschland grundsätzlich zwei verschiedene Brennereiformen.

Die Abfindungsbrennerei

Die Abfindungsbrennerei ist die klassische traditionelle Kleinbrennerei, wie man sie oft aus ländlichen Regionen kennt.

Typisch sind:

  • kleine Familienbetriebe
  • Obstbrennereien
  • landwirtschaftliche Höfe
  • regionale Spezialitäten

Hier wird meist mit eigenem Obst gearbeitet – zum Beispiel:

  • Äpfel
  • Birnen
  • Zwetschgen
  • Kirschen

Der Begriff „Abfindung“ hat dabei nichts mit einer Auszahlung zu tun. Gemeint ist damit die Art der Besteuerung.

Die Alkoholsteuer wird hier nämlich nicht über die exakt gemessene Alkoholmenge berechnet, sondern über festgelegte Durchschnittswerte. Der Zoll schätzt also vereinfacht gesagt anhand der verwendeten Rohstoffe, wie viel Alkohol ungefähr entsteht.

Dadurch eignet sich dieses System besonders für kleinere Brennereien mit überschaubaren Mengen.

Viele traditionelle Obstbrände stammen aus genau solchen Abfindungsbrennereien.

Die Verschlussbrennerei

Die Verschlussbrennerei arbeitet deutlich stärker kontrolliert und wird häufig für größere oder professionellere Produktionen genutzt.

Hier wird die tatsächlich produzierte Alkoholmenge exakt gemessen und überwacht. Die Brennanlagen stehen dabei unter technischer Kontrolle des Zolls.

Dieses System eignet sich vor allem für:

  • größere Produktionsmengen
  • gewerbliche Spirituosenhersteller
  • Whisky-Destillerien
  • Gin-Produzenten
  • Industriealkohol

Der Begriff „Verschluss“ stammt aus der zolltechnischen Überwachung der Brennanlagen. Wichtige Teile der Anlage werden dabei kontrolliert oder gesichert, damit die produzierte Alkoholmenge exakt erfasst werden kann.

Bedeutet das automatisch klein gegen groß?

Nicht unbedingt.

Die meisten kleineren Obstbrennereien werden zwar als Abfindungsbrennerei geführt, während größere Produktionen häufig als Verschlussbrennerei arbeiten – die Brennereiform allein sagt aber noch nichts über Qualität, Handwerk oder Herstellungsweise aus.

Auch kleinere Brennereien können als Verschlussbrennerei arbeiten. Umgekehrt gibt es ebenso professionell ausgestattete Abfindungsbrennereien.

Die Begriffe beschreiben deshalb in erster Linie:

  • die steuerliche Behandlung
  • und die Art der Überwachung durch den Zoll.

Und was ist dann eine Lohnbrennerei?

Hier wird es oft etwas verwirrend.

Eine Lohnbrennerei ist nämlich keine dritte Brennereiform.

Der Begriff beschreibt lediglich, dass eine Brennerei auch für andere Personen brennt.

Beispiel:
Jemand besitzt eigenes Obst oder eine fertige Maische, aber keine eigene Brennanlage. Dann kann eine Brennerei die Destillation gegen Bezahlung übernehmen.

Eine Lohnbrennerei kann deshalb sowohl:

  • eine Abfindungsbrennerei
  • als auch eine Verschlussbrennerei

sein.

Warum gibt es diese Unterschiede überhaupt?

Die unterschiedlichen Systeme sind historisch gewachsen. Alkohol war schon vor Jahrhunderten ein wichtiges Steuerprodukt, weshalb Herstellung und Mengen immer stärker überwacht wurden.

Gerade in Deutschland haben sich dadurch sehr spezielle Begriffe und Regelungen entwickelt, die heute oft komplizierter wirken, als sie eigentlich sind.

Hat man das Grundprinzip aber einmal verstanden, werden viele andere Begriffe rund um Brennereien plötzlich deutlich verständlicher.